Kölnisch Wasser und seine Herkunft

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Sich mit wohlriechenden Düften zu umgeben, gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen. Ein Duft kann, wie in Patrick Süßkinds Roman „Das Parfüm“, magische Kraft entfalten oder Erinnerungen wecken, beispielsweise an die Kindheit.

Ein italienischer Duft
Im katholischen Köln, dem „Rom des Nordens“, herrschten um 1700 Armut, Schmutz und Gestank, die Wirtschaft war geschwächt von Krieg und Pest, Andersgläubige wurden ausgegrenzt. Jahrhundertelange Handelsbeziehungen hatten eine große italienische Gemeinde wachsen lassen. 1709 eröffnete Johann Baptist Farina ein Geschäft für französische Luxusartikel, in das bald darauf sein Bruder Johann Maria einstieg. Der Parfümeur mit ausgezeichnetem Gespür für Düfte und umfangreichem Wissen stellte durch das teure Destillationsverfahren aus verschiedenen Zitrusfrüchten ein erfrischendes Wasser her. Es erinnerte an einen italienischen Frühlingsmorgen und wurde „Farina aqua mirabilis“ genannt. Sein Familienname bürgte für gleichbleibende Qualität. Die Kreation wurde so erfolgreich, dass die Parfümerie zur besten Adresse der Stadt gegenüber des Jülichplatzes wechselte.

Das „Eau de Cologne“ eroberte die Königshäuser
Inzwischen zählten der preußische König, Adlige und Bischöfe zu seinen Kunden.

Johann Maria Farina

Johann Maria Farina

Durch die aufwendigen Gewänder und Feste des Rokokos stieg in den europäischen Königshäusern, großbürgerlichen Salons und Künstlerkreisen die Nachfrage nach dem Duftwasser, das er fortan „Eau de Cologne“ nannte. Heute steht dieser Begriff für eine ganze Gattung. 1837 wurde die Herstellung industrialisiert, 1875 die Marke geschützt.

 

 

Das Nachahmerprodukt 4711
Zunehmend drängten billige Plagiate auf den Markt. Durch die Möglichkeiten der chemischen Herstellung nahm die Zahl später noch zu. Wegen des Namens kam es sogar zu einem Prozess. Der Konkurrent Wilhelm Mühlhens musste 1881 die Bezeichnung ändern. Er nannte sein Produkt fortan „Echt Kölnisch Wasser 4711“, nach der Hausnummer seiner Firma. Es ist heute am bekanntesten und wird oft für das Original gehalten.

Traditionelles Familienunternehmen

4711 Flakon

4711 Flakon um 1881

Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Firma Farina wurde wieder aufgebaut. Im Karneval 1952 wurden 120.000 Fläschchen „Original Kölnisch Wasser“ beim Rosenmontagszug in die Menge geworfen – als einen Duft inmitten der Trümmer bezeichnete die New York Times dieses Ereignis.
Die älteste Parfümfabrik der Welt wird noch immer von der Gründerfamilie geführt, inzwischen in der 8. Generation, sie hält auch alle Anteile. Die Familie Farina brachte sich zudem immer in das Leben Kölns ein. Sie war beispielsweise beteiligt an der Gründung der Industrie- und Handelskammer, des Kölner Karnevals, der Rheinischen Eisenbahn sowie des Botanischen Gartens. Im Stammhaus der Firma befindet sich heute ein Duftmuseum, dort wird auch die historische Parfümherstellung gezeigt.

Der Jahrhundertduft
Johann Maria Farina hat mit seinem unvergleichlichen „Original Eau de Cologne“, das aufgrund seiner hochwertigen Zutaten dreimal so viel wie die Nachahmerprodukte kostet, die moderne Parfümerie begründet. Das Parfüm mit seinem erfrischenden, mediterranen Duft ist aber nicht nur weltbekannt, sondern seine Geschichte zeugt auch von Erfinderreichtum, geschäftlichem Erfolg, dem Festhalten an Qualität und Familientraditionen sowie einem Kundenstamm, teilweise über mehrere Generationen hinweg, der trotz aller Wirtschaftskrisen dem Unternehmen treu bleibt.